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Dr. Pascal Sieber & Partners AG

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CAS Digitale Transformation: Interview mit dem Studienleiter Dr. Pascal Sieber

andrea kalsey

Seit Mai 2019 hat Dr. Pascal Sieber die Studienleitung des CAS Digitale Transformation an der Universität Bern inne, gleichzeitig unterrichtet er weiterhin in einigen Modulen. Der CAS erfreut sich einer grossen Nachfrage und die Warteliste ist entsprechend lang. Im folgenden Interview spricht Pascal Sieber über seine Ansichten und Erfahrungen mit guter Weiterbildung.

Dr. Pascal Sieber im Interview mit Andrea Kalsey

Pascal, was genau sind Deine Aufgaben als Studienleiter?

Als Studienleiter biete ich akademisch ausgebildeten und praxiserfahrenen Studierenden eine möglichst umfassende Weiterbildung an. Das heisst, ich wähle die Themen der Module, berufe die Dozierenden und verantworte die Qualität. Das mache ich nicht alleine, sondern arbeite dabei eng mit den beiden involvierten Instituten zusammen.

Den CAS gibt es erst seit 2018. Wie erklärst du dir die lange Warteliste und welche Lösung hast du?

Zwar thematisieren alle Industrien seit Jahren die digitale Transformation, jedoch häufig erstaunlich niederschwellig. Seit einiger Zeit stelle ich fest, dass hier Bewegung hereinkommt. Entscheidend dazu beigetragen hat, dass sich die Wertschöpfung in vielen Branchen erheblich auf elektronischere Geschäftsmodelle verlagert hat. Das zwingt die Unternehmen, radikal neu zu denken. Immer mehr Manager/-innen und Unternehmer/-innen springen auf diesen Zug auf.

Dem entsprechend stark wird der CAS nachgefragt. Wir haben reagiert und führen das CAS Digitale Transformation öfter durch; dieses Jahr drei Mal. Unsere Kapazitäten sind jedoch begrenzt, denn viele der Dozierenden arbeiten hauptberuflich im Vollpensum, sei es an einer Hochschule oder in der Praxis. Und das soll auch so bleiben, weil die Qualität ganz wesentlich auf der Erfahrung der Dozierenden basiert. Wir prüfen gerade, den Unterricht durch elektronische Unterstützung effizienter und effektiver zu gestalten, ohne gleichzeitig die physische Interaktion zurückzunehmen. Der Erfahrungsaustausch vor Ort ist nämlich wesentlich für die Qualität.

Wie stellst du die Aktualität des CAS sicher?

Aktuell zu bleiben, erfordert Erfahrung. Täglich werden Artikel mit neuen Konzepten publiziert; davon ist vielleicht einer in fünf Jahren von wirklich relevanter Tragweite. Über die Institute der Universität Bern - aber auch direkt - sind wir mit den besten Wissenschaftlern der Welt vernetzt und profitieren im ständigen Austausch mit ihnen von deren Scharfsinn und Engagement.

Ausserdem lehren wir viele Theorien und Konzepte, die so fundamental sind, dass sie über Jahrzehnte aktuell bleiben. Beispielsweise stammen die Theorien zur künstlichen Intelligenz aus den 1920er Jahren. Die Konzepte zum Business-IT-Alignment stammen aus den frühen 1990er Jahren. Anders sieht es aus für die Anwendungen dieser Theorien wie Blockchain, Avatare, Drohnen, Internet of Things etc. Da stellen wir die Aktualität sicher, indem wir die Praxis ständig beobachten, Studien von Analysten beiziehen und Gastdozierende berufen, die an vorderster Front solche Anwendungen umsetzen.

Am CAS Digitale Transformation nehmen Manager/-innen teil, die die Digitalisierung in ihren Unternehmen vorantreiben, teilweise in einer Vorreiterrolle. Zudem ist heute jede Person in der Lage, sich über alles zu informieren, was wir zur Sprache bringen. Deswegen gilt allgemein, dass ein Paradigmenwechsel stattgefunden hat: die Zeit des wissenden Lehrers und des unwissenden Schülers ist vorbei. Guter, aktueller Unterricht kommt nur zustande, wenn sich die beiden einander annähern und voneinander lernen. Auch die Studierenden bringen Aktualität in den Unterricht. Es ist leicht möglich, dass ein/-e Student/-in eine Theorie aus ihrer/seiner Praxis so gut reflektiert, dass er/sie dem Lehrenden überlegen ist.

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Was kannst du aus der Praxis kommend, als Studienleiter bewirken?

Vor zwanzig Jahren habe ich meine Lehrtätigkeit reduziert und zeitweise fast ganz aufgegeben, weil ich das Gefühl nicht los wurde, dass ich über Dinge rede, von denen ich nicht genug verstehe. Zwanzig Praxisjahre später kann ich „aus dem Vollen schöpfen“. Allerdings stelle ich fest, dass es mir schwerer fällt, die Theorien gut zu verstehen und darzustellen. Dafür bin ich auf die Unterstützung der Dozierenden aus den Hochschulen angewiesen.

Vielmehr als neue, bahnbrechende Theorien zu vermitteln, kann ich dazu beitragen, die eigene Praxis zu reflektieren. Dafür ist so ein CAS eine hervorragende Chance. Wir sind alle in unserem Alltag gefangen, auch ich. Wir haben viel zu wenig Zeit, die Chancen und Herausforderungen mit Distanz, theoretisch angeleitet und an unterschiedlichen Praxiserfahrungen zu überdenken, zu hinterfragen und daraus clevere Ideen zu entwickeln. Genau das passiert in einer gut gestalteten Weiterbildung.

Welchen Einfluss hat deine Nähe zur Akademie auf deine Tätigkeit bei sieber&partners?

Einerseits zwingt mich diese Zusammenarbeit dazu, meine Gedanken niederzuschreiben. Dadurch strukturiere ich meine Gedanken, die Sachverhalte werden explizit, Ungenauigkeiten fliegen auf und müssen korrigiert werden. Es gibt nichts Praktischeres als eine gute Theorie. Sie hilft mir als Unternehmer, schneller, einfacher und konsistenter zu arbeiten, als wenn ich mich durch die Intuition leiten lasse.

Andererseits lerne ich von den Studierenden und den anderen Dozierenden mindestens so viel, wie sie von mir. Diese gewonnen Erkenntnisse teile ich mit meinen Berufskolleg(-inn)en bei sieber&partners. Dank dieser Nähe zur Wissenschaft ist es uns möglich, in guter Partnerschaft mit unseren Kunden neue Wege zu gehen bzw. bestehende Wege zu optimieren. In diesem Sinn tue ich in der Rolle als Studienleiter vieles, was ich ohnehin tun würde, aber halt in einer «offiziellen» Funktion.