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Ein Netzwerker in der Wissenschaft

andrea kalsey

Zum Tod von Prof. em. Prof. h.c. mult. Dr. Dr. hc. mult. Norbert Thom

Von Norbert Thom habe ich neben Methoden und Konzepten die Erkenntnis übernommen, dass sich auch Berner/-innen bewegen lassen. Denn uns war gemeinsam, dass wir uns als «Ausländer» auf Berner Territorium niedergelassen haben, er aus Deutschland kommend, ich aus dem Nordosten der Schweiz. Die von ihm empfohlenen Zutaten, um heimisch zu werden, waren Bodenständigkeit, Fairness und Geduld.

Unsere erste Begegnung

Unsere Wege haben sich zum ersten Mal in den 90er-Jahren des letzten Jahrhunderts gekreuzt. Ich stand am Anfang meines BWL-Studiums als Norbert Thom an die Uni Bern wechselte und den Lehrstuhl für Betriebswirtschaftliche Organisationslehre und Personalwesen übernahm.
Angefangen hat es zwischen uns nicht sehr einvernehmlich: Nach einer der ersten Vorlesungen - ich war erst einige Monate an der Uni - hat er uns über die selbstmotivierte Zusammenarbeit in Non-Profit-Organisationen berichtet. In der Pause fragte ich ihn, ob man für For-Profit-Organisationen nicht etwas lernen könnte von diesen NPOs. Er meinte, ich solle zuerst ein paar Bücher lesen, bevor ich ihm Fragen stelle. Damals wirkte er auf mich Studierenden als einer, der alles besser weiss und dies auch noch in einer erschlagenden Rhetorik vermittelt.

Spätestens während meines Doktorandenstudiums änderte sich diese Wahrnehmung. Norbert Thom und Joachim Griese haben zusammen mit der Universität Zürich, der Helsinki School of Economics, der Universität Erlangen-Nürnberg und vielen anderen Instituten Doktorandenseminare organisiert. An diesen Seminaren war Norbert Thom einer der integrativsten, interessiertesten Lehrer und ich habe ihm sehr viele tolle Erlebnisse zu verdanken.

Gemeinsame Wege

Thematisch haben wir uns ergänzt. Seit Abschluss meines Studiums beschäftige ich mich mit der Themenkombination Organisation, Strategie und Informationssysteme. Von Norbert Thom habe ich sehr viel über die Dynamik zwischen Strategie und Organisation (und Kommunikation) gelernt.

Seit 2000 führt sieber&partners das Transferprojekt «CNO Netzwerk» als private Organisation. Gemeinsam mit Norbert Thom ging es uns um den Brückenschlag zwischen Wissenschaft, Wirtschaft, Lehre und Politik, und auch darum, die technischen Disziplinen (Mathematik, Informatik) und BWL (Organisation, Marketing, Personal, Finanzen etc.) zu verbinden. Norbert Thom hat dieses Projekt eng begleitet und jeweils zu unserer jährlichen Herausgabe von Fallbeispielen ein Vorwort geschrieben.

Es ist für uns als Firma oft nicht einfach aber umso wichtiger, diese Transferleistung mit der Wissenschaft neben dem Tagesgeschäft aufrecht zu erhalten. Einerseits weil dieser Austausch die Grundlage für die Zukunftstauglichkeit unserer Firma ist und andererseits, weil er Nahrung für das intellektuelle Wohlbefinden unserer Beratenden ist. Norbert Thom hat uns immer wieder bestärkt, daran festzuhalten. Es tat gut, in ihm jemanden zu haben, der einem fordert und auch bestätigt, dass der Einsatz geschätzt wird.

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Bleibende Erinnerung

Im Laufe der Zeit hat sich vieles entwickelt. Es ist beispielsweise Norbert Thom zu verdanken, dass die Referent(inn)en am CNO Panel – dem jährlich stattfindenden Event zum CNO Netzwerk – von sieber&partners ein Zertifikat erhalten, welches sie als Mitglied der CNO Hall of Fame bestätigt und ihnen ein lebenslanges Besuchsrecht am CNO Panel garantiert. Norbert Thom hat darauf bestanden, ein solches Zertifikat zu erhalten, als ich ihn als Referent angefragt habe.

Wer ihn kannte, weiss, dass er seine Titel gerne und gut pflegte, freilich mit einem Augenzwinkern. Den Tag, an dem wir die Namensschilder für das CNO Panel druckten und alleine seine Titel alle drei verfügbaren Textzeilen beanspruchten, vergesse ich nie.

Eine andere Begebenheit ergab sich am Swiss Economic Forum in den Nuller-Jahren. Ich sass neben ihm, als die Gründerin von Bodyshop auf der Bühne ihre wichtigsten Prinzipien auflistete. Eines davon besagt, dass sie nichts von Universitätsdiplomen hält. Ich sagte zu Norbert Thom: «Wozu habe ich Ihnen – damals haben wir uns noch gesiezt – vier Jahre lang zugehört?» Er meinte nur: «Was rede ich mir jeden Tag den Mund fusselig?».

Wir haben uns in den letzten zwei Jahren hin und wieder getroffen, an Veranstaltungen, aber auch ab und zu auf ein Gespräch zu zweit. Eine der letzten längeren Begegnungen hatten wir im Rahmen des Fördervereins des IOP (Institut für Organisation und Personal). Der Förderverein drückt einen Teil von dem aus, was Norbert Thom ausgemacht hat und was er erreicht hat: Er hat Menschen zusammengeführt, er konnte sie begeistern und hat uns immer sehr viel gegeben, was uns unverbissen zu besten Leistungen motiviert hatte: «Schwer, aber fair».

Der Tod von Norbert Thom berührt mich sehr, denn er hinterlässt als Wissenschaftler und als Mensch eine grosse Lücke. Allen, die ihm nahestehen, wünsche ich viel Kraft, um den Abschiedsschmerz zu ertragen und seine positive, höchst professionelle und integrative Art in Erinnerung zu behalten und weiter zu pflegen.

Dr. Pascal Sieber